Die verschwundenen Handschuhe [Vorlesegeschichte für Pflegekräfte]
VORLESEGESCHICHTEN FÜR PFLEGEKRÄFTE
11/12/20253 min read
Eine Geschichte zum Vorlesen für Pflegekräfte
Liebe Pflegekräfte,
diese Geschichte eignet sich wunderbar zum Vorlesen in gemütlicher Runde. Sie handelt von etwas, das jeder kennt: dem Suchen und Finden im Alltag.
Die Geschichte ist in kurzen, klaren Sätzen geschrieben und dauert - langsam gelesen -etwa 8-10 Minuten. Sie weckt Erinnerungen an eigene kleine Alltagspannen und lädt zum Schmunzeln ein.
Am Ende finden Sie Gesprächsanregungen, die zum Austausch von Erinnerungen einladen. Lesen Sie ruhig und deutlich vor – und lassen Sie Raum für spontane Zwischenbemerkungen der Zuhörer.
Viel Freude beim Vorlesen!


Frau Erna Petersen stand am Garderobenschrank und suchte ihre Handschuhe. Die guten braunen Lederhandschuhe, die sie letzten Winter von ihrer Tochter bekommen hatte.
"Wo sind sie denn bloß?", murmelte sie und durchwühlte die Schublade. "Ich hab sie doch erst letzte Woche noch getragen!"
Es war Mittwoch, und Erna wollte zum Wochenmarkt. Ohne Handschuhe? Bei dieser Kälte? Das kam nicht in Frage!
(Langsam vorlesen, damit die Zuhörer der Geschichte folgen können)
Sie suchte in der Garderobe. Nichts. Sie suchte in der Küche. Nichts. Sie suchte im Schlafzimmer, im Wohnzimmer, sogar im Badezimmer.
Die Handschuhe waren verschwunden wie vom Erdboden verschluckt.
"Ich werd doch nicht verrückt!", sagte Erna zu sich selbst. "Handschuhe laufen doch nicht einfach weg!"
Dann fiel ihr etwas ein. Letzten Dienstag war ihre Nachbarin Frau Meier zum Kaffee da gewesen. Und die hatte doch auch braune Handschuhe getragen...
(Hier können Sie eine kleine Pause machen und fragend schauen)
"Ob die Meier meine Handschuhe aus Versehen mitgenommen hat?", überlegte Erna. "Die sieht ja auch nicht mehr so gut. Vielleicht hat sie sie verwechselt?"
Entschlossen zog Erna ihren Mantel an – ohne Handschuhe, brr! – und klingelte bei Frau Meier nebenan.
"Ach, Frau Petersen! Kommen Sie doch rein auf einen Tee!", begrüßte Frau Meier sie freundlich.
"Frau Meier", sagte Erna vorsichtig, "haben Sie zufällig gestern Handschuhe hier vergessen? Braune Lederhandschuhe?"
Frau Meier schüttelte den Kopf. "Nein, meine Handschuhe hab ich hier." Sie zeigte auf ein Paar schwarze Wollhandschuhe an der Garderobe.
(Mit leicht enttäuschter Stimme vorlesen)
Erna ging wieder nach Hause. Wo konnten die Handschuhe nur sein?
Den ganzen Nachmittag grübelte sie. Beim Abendessen. Beim Fernsehen. Sogar im Bett noch.
Am nächsten Morgen klingelte das Telefon. Es war ihre Tochter Gisela.
"Mama, ich war gestern bei dir, aber du warst nicht da. Ich hab die Blumen, die ich dir mitgebracht hatte, in die Küche gestellt. Hast du sie gesehen?"
"Blumen?", fragte Erna verwirrt. "Gestern? Ich war doch gar nicht weg!"
"Doch, Mama. Ich war gegen drei Uhr da. Ich hab durchs Fenster geschaut, da warst du nicht da."
(Hier schmunzelnd vorlesen)
Erna überlegte. Gestern um drei? Da hatte sie... da war sie doch... Moment mal!
"Gisela!", rief sie plötzlich. "Gestern um drei war ich unten bei Frau Krause! Die wollte mir ihr neues Sofa zeigen!"
"Ach so", lachte Gisela. "Dann hab ich dich verpasst."
Erna legte auf. Frau Krause! Sie war bei Frau Krause gewesen!
Schnell zog sie sich an und eilte nach unten in den ersten Stock. Sie klingelte bei Frau Krause.
"Ach, Frau Petersen! Wie schön! Möchten Sie noch einen Kaffee?"
"Frau Krause", keuchte Erna, "haben Sie zufällig braune Lederhandschuhe gefunden?"
Frau Krause lachte. "Ihre Handschuhe! Die liegen seit gestern hier! Sie hatten sie ausgezogen, als Sie meine Katze gestreichelt haben. Warten Sie, ich hol sie!"
(Erleichtert und froh vorlesen)
Erna bekam ihre Handschuhe zurück. Sie waren warm und weich, genau wie sie sie in Erinnerung hatte.
"Vielen Dank, Frau Krause! Ich hab das ganze Haus auf den Kopf gestellt!"
"Das kann passieren", sagte Frau Krause freundlich. "Mir ist letzte Woche meine Brille abhanden gekommen. Rate mal, wo ich sie gefunden hab?"
"Wo denn?"
"Auf meinem Kopf!", lachte Frau Krause. "Ich hatte sie die ganze Zeit aufgesetzt und hab überall danach gesucht!"
(Beide lachen in der Geschichte)
Erna lachte mit. "Na, dann sind wir ja ein schönes Paar!"
Sie gingen zusammen zurück nach oben. Frau Krause hatte noch frischen Kuchen gebacken, und so saßen die beiden bei Kaffee und Kuchen und erzählten sich Geschichten von Dingen, die sie verloren und wiedergefunden hatten.
Erna zog ihre Handschuhe an – sie passten perfekt.
"Wissen Sie was, Frau Krause?", sagte sie, "manchmal muss man Dinge verlieren, um nette Gespräche zu finden."
Frau Krause nickte. "Und gute Nachbarn!", fügte sie hinzu.
(Am Ende warm und zufrieden lächeln)
[Gesprächsanregungen:] (Diese Fragen ruhig und freundlich stellen, nicht alle auf einmal)
Haben Sie auch schon mal etwas gesucht und nicht gefunden?
Wo haben Sie Dinge am häufigsten wiedergefunden?
Hatten Sie auch so nette Nachbarn wie Frau Krause?
Trugen Sie früher lieber Leder- oder Wollhandschuhe
Erinnern Sie sich an lustige Situationen, wo Sie etwas verlegt hatten?
Haben Sie früher auch Katzen oder andere Tiere gehabt?