Die vergessene Haltestelle [Vorlesegeschichte für Pflegekräfte]
VORLESEGESCHICHTEN FÜR PFLEGEKRÄFTE
11/20/20256 min read
Liebe Pflegekräfte,
diese humorvolle Geschichte über eine chaotische Busfahrt mit ungeplantem Abenteuer dauert etwa 10-12 Minuten im Vorlesen. Sie ist bewusst leicht, witzig und warmherzig – perfekt für fröhliche Nachmittage, an denen gelacht werden darf!
Worum geht es? Hildegard will zum Markt, steigt aber in den falschen Bus. Busfahrer Herbert verfährt sich, und aus der geplanten Marktfahrt wird ein spontanes Abenteuer mit Kaffeepause auf dem Land und einer kleinen Dorfkirmes. Am Ende sind alle glücklich – gerade weil nichts nach Plan lief.
Hinweise zum Vorlesen:
Die Geschichte lebt vom Humor – lesen Sie die witzigen Stellen ruhig mit einem Augenzwinkern
Herbert darf gerne mit leicht schrulliger Stimme gelesen werden (falls Sie mögen)
Die [Handlungsanweisungen] helfen Ihnen, zwischen fröhlich, erstaunt und gemütlich zu wechseln
Nehmen Sie sich Zeit für die lustigen Momente – lassen Sie die Zuhörer lachen!


Die vergessene Haltestelle
[Fröhlich und lebhaft beginnen]
Es war ein herrlicher Mittwochmorgen, als Hildegard sich auf den Weg zur Bushaltestelle machte. Heute war Markttag in der Nachbarstadt, und sie hatte sich fest vorgenommen, endlich die frischen Erdbeeren zu kaufen, von denen ihre Freundin Erna seit Wochen schwärmte.
„Pünktlich wie immer", murmelte sie zufrieden und schaute auf ihre Armbanduhr. Noch fünf Minuten bis der Bus kam. Sie stellte ihre Einkaufstasche ab und lehnte sich an das Wartehäuschen.
[Mit leichter Verwunderung]
Doch als der Bus vorfuhr, stutzte Hildegard. Das war nicht der übliche Bus. Dieser hier war knallgelb – ja, richtig gelb wie eine Zitrone! – und auf der Seite stand in geschwungener Schrift: „Sonnenschein-Reisen: Wir bringen Sie überallhin. Oder auch nicht."
„Oder auch nicht?", fragte Hildegard laut. „Was soll das denn heißen?"
Der Busfahrer, ein älterer Herr mit grauem Schnurrbart und einer viel zu großen Mütze, öffnete die Tür. „Steigen Sie ein, steigen Sie ein! Wir haben heute einen wunderbaren Tag vor uns!"
[Etwas zögerlich, aber neugierig erzählen]
Hildegard zögerte. „Fährt dieser Bus zum Markt?"
„Markt? Ach, irgendwo fahren wir schon hin!", rief der Fahrer fröhlich. „Kommen Sie, ich habe keine Zeit zu verlieren. Mein Name ist übrigens Herbert. Herbert Holperschmidt."
Holperschmidt. Der Name war Programm, dachte Hildegard, als sie einstieg. Im Bus saßen bereits drei weitere Fahrgäste: Frau Meier mit ihrem gewaltigen Strohhut, Herr Schmidt mit seinem Dackel Waldi und eine junge Frau, die in ihr Handy vertieft war.
[Leicht amüsiert]
„Na, dann mal los!", rief Herbert und legte einen Gang ein. Der Bus ruckelte los – und das war noch untertrieben. Er hüpfte, sprang und tanzte förmlich die Straße entlang.
„Entschuldigung!", brüllte Herbert nach hinten. „Die Federung ist nicht mehr die Beste. Aber dafür haben wir Charakter!"
Frau Meiers Strohhut flog ihr vom Kopf. Waldi bellte aufgeregt. Die junge Frau hielt ihr Handy fest umklammert.
„Das ist ja wie Achterbahnfahren!", rief Frau Meier und hielt sich an ihrem Sitz fest. Aber sie lachte dabei.
[Mit wachsender Belustigung erzählen]
Nach zehn Minuten Fahrt – oder besser gesagt: zehn Minuten Hüpfen und Ruckeln – hielt Herbert plötzlich an.
„So!", verkündete er stolz. „Erste Station!"
Hildegard schaute aus dem Fenster. Sie standen mitten auf dem Land. Nirgendwo war ein Markt zu sehen. Nur Felder und Wiesen, so weit das Auge reichte.
„Wo sind wir denn hier?", fragte Herr Schmidt verwirrt.
Herbert kratzte sich unter seiner Mütze. „Gute Frage. Sehr gute Frage. Ich glaube... ich habe die falsche Abzweigung genommen."
„Die FALSCHE Abzweigung?", rief Hildegard. „Wie kann man denn die falsche Abzweigung nehmen?"
„Ganz einfach", erklärte Herbert ungerührt. „Man fährt links statt rechts. Oder war es rechts statt links? Egal! Schauen Sie doch mal, wie schön es hier ist!"
[Beschreibend und mit Humor]
Und tatsächlich – es WAR schön. Die Sonne schien auf die goldenen Getreidefelder, ein paar Kühe grasten friedlich in der Ferne, und irgendwo sang eine Lerche.
„Wissen Sie was?", sagte Frau Meier plötzlich und setzte ihren Strohhut wieder auf. „Ich war seit zwanzig Jahren nicht mehr auf dem Land. Das ist doch auch mal schön!"
„Aber ich wollte zum Markt!", protestierte Hildegard halbherzig.
„Markt ist überbewertet", meinte Herr Schmidt und ließ Waldi aus dem Bus. „Der kleine Mann muss mal!"
Die junge Frau schaute von ihrem Handy auf. „Ich habe hier gar keinen Empfang. Das ist... das ist tatsächlich ganz angenehm."
[Mit Vergnügen]
Herbert stieg ebenfalls aus und breitete die Arme aus. „Meine Damen und Herren! Willkommen zu unserer ungeplanten Panorama-Tour! Völlig kostenlos! Nun ja, zumindest nicht extra berechnet."
Hildegard musste lachen. Was sollte sie auch machen? Sie war in einem gelben Bus mit einem Fahrer, der sich verfuhr, einer Frau mit Riesenhut, einem Mann mit Dackel und einer Handy-süchtigen jungen Dame irgendwo auf dem Land gestrandet.
„Also gut", sagte sie. „Dann machen wir eben eine Pause."
[Gemütlich und warmherzig]
Herbert zauberte eine Thermoskanne aus dem Bus. „Kaffee? Habe ich immer dabei. Für Notfälle."
„Ist das hier ein Notfall?", fragte die junge Frau.
„Nein", sagte Frau Meier und setzte sich auf eine Bank am Wegesrand. „Das ist ein Abenteuer!"
Sie tranken Kaffee aus Bechern, die Herbert mitgebracht hatte. Waldi jagte Schmetterlingen hinterher. Die junge Frau – sie hieß übrigens Lisa – pflückte ein paar Wildblumen.
„Wissen Sie", sagte Herr Schmidt nachdenklich, „ich wollte heute eigentlich nur zur Bank. Aber das hier ist viel besser."
„Zur Bank?", fragte Herbert. „Die ist doch geschlossen. Heute ist doch Feiertag!"
„Feiertag?"
„Ja, irgendein regionaler Feiertag. Steht auf meinem Fahrplan. Deshalb fahre ich heute ja die Sonderstrecke."
[Mit gespielter Empörung]
„SONDERSTRECKE?", riefen alle gleichzeitig.
„Na klar! ,Landpartie für Abenteuerlustige'. Steht doch groß auf dem Fahrplan. Den Sie wahrscheinlich alle nicht gelesen haben."
Hildegard musste zugeben: Den Fahrplan hatte sie tatsächlich nicht gelesen. Sie war einfach in den Bus gestiegen.
„Und wo fahren wir hin?", fragte sie.
Herbert zuckte mit den Schultern. „Mal sehen. Ich dachte, wir fahren einfach, bis uns etwas gefällt."
„Das ist der schlechteste Busfahrer der Welt", flüsterte Herr Schmidt.
„Oder der beste", meinte Frau Meier mit einem Lächeln.
[Lebhaft weitererzählen]
Sie stiegen wieder ein und fuhren weiter. Herbert sang fröhlich vor sich hin – Schlager aus den Fünfzigern, die niemand mehr kannte, aber alle mitsummen konnten.
Nach einer Weile kamen sie an einem kleinen Dorf vorbei. „Oh!", rief Herbert. „Da ist eine Kirmes!"
„Eine Kirmes? Mitten in der Woche?", fragte Lisa.
„Warum nicht?", sagte Herbert und parkte den Bus (eher: stellte ihn schief ab) am Straßenrand.
Und tatsächlich: Im Dorfzentrum hatte jemand ein paar Buden aufgebaut. Es gab gebrannte Mandeln, einen kleinen Karussell für Kinder, und einen Stand mit selbstgemachter Marmelade.
„Na bitte!", rief Hildegard. „Besser als der Markt!"
[Mit Freude und Lebendigkeit]
Sie verbrachten eine Stunde auf der kleinen Kirmes. Hildegard kaufte drei Gläser Erdbeermarmelade. Frau Meier gewann beim Dosenwerfen einen kleinen Plüschhasen. Herr Schmidt teilte eine Tüte gebrannte Mandeln mit Waldi (was wahrscheinlich nicht gut für Dackel war, aber Waldi störte es nicht). Und Lisa machte zum ersten Mal seit Stunden ein Foto – nicht mit dem Handy, sondern mit einer alten Kamera, die sie am Marmeladen-Stand geliehen bekam.
Herbert stand am Bratwurststand und unterhielt die Verkäuferin mit seinen Geschichten.
„Wissen Sie", sagte Frau Meier zu Hildegard, „das ist der beste Mittwoch seit langem."
„Obwohl wir uns verfahren haben?", fragte Hildegard.
„Gerade WEIL wir uns verfahren haben!"
[Zufrieden zum Ende erzählen]
Als die Sonne langsam tiefer stand, sammelte Herbert seine Fahrgäste wieder ein. „So, meine Herrschaften! Zeit, nach Hause zu fahren. Und diesmal finde ich den Weg. Wahrscheinlich."
„Wahrscheinlich?", lachte Herr Schmidt.
„Zu 60 Prozent sicher!", grinste Herbert.
Und tatsächlich – Herbert fand den Weg zurück. Der Bus hüpfte und ruckelte durch die Landschaft, aber niemand beschwerte sich mehr. Sie erzählten, lachten und teilten die gebrannten Mandeln.
[Warm und bedeutsam]
Als Hildegard an ihrer Haltestelle ausstieg – der richtigen Haltestelle diesmal –, drehte sie sich noch einmal um.
„Herbert?", rief sie.
„Ja?"
„Fährst du nächsten Mittwoch wieder?"
Herbert zwinkerte. „Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber wenn – es wird garantiert abenteuerlich!"
„Dann bin ich dabei!", rief Frau Meier.
„Ich auch!", rief Herr Schmidt. Waldi bellte zustimmend.
„Und ich lasse mein Handy zu Hause!", versprach Lisa.
[Ruhig ausklingen lassen]
Hildegard winkte dem gelben Bus hinterher, bis er um die Ecke verschwand. In ihrer Tasche hatte sie drei Gläser Erdbeermarmelade, die wahrscheinlich noch besser schmeckten als die vom Markt.
Manchmal, dachte sie, sind die besten Ausflüge die, die man nicht geplant hat.
Und manchmal braucht man einfach einen Busfahrer namens Herbert Holperschmidt, der die falsche Abzweigung nimmt.
Fragen zum Gespräch und zur Vertiefung
[Diese Fragen ruhig und interessiert stellen, Zeit für Antworten lassen]
Über eigene Busfahrten:
Sind Sie früher oft Bus gefahren? Wohin ging es meistens?
Gab es eine besondere Buslinie oder einen Busfahrer, an den Sie sich erinnern?
Haben Sie auch schon mal eine lustige oder chaotische Busfahrt erlebt?
Über Ausflüge und Abenteuer:
Was war der schönste ungeplante Ausflug, den Sie erlebt haben?
Sind Sie gerne spontan losgefahren, oder haben Sie lieber alles geplant?
Gab es einen Ort, den Sie eher zufällig entdeckt haben?
Über Dorfkirmes und Märkte:
Gab es bei Ihnen im Dorf oder in der Stadt regelmäßig eine Kirmes?
Was war Ihr Lieblings-Stand auf dem Jahrmarkt?
Erinnern Sie sich noch an besondere Volksfeste oder Dorffeste?
Über Begegnungen unterwegs:
Haben Sie auf Reisen oder Ausflügen schon mal interessante Menschen kennengelernt?
Gab es Situationen, in denen aus einem Problem etwas Schönes wurde?
Was macht für Sie einen gelungenen Ausflug aus?
Vertiefende Fragen:
Wenn Sie heute noch einmal eine Busfahrt machen könnten – wohin würde sie gehen?
Was bedeutet für Sie "Abenteuer" – muss es immer groß sein, oder sind es die kleinen Dinge?
Frau Meier sagt: "Das ist der beste Mittwoch seit langem." Wann hatten Sie das letzte Mal so einen besonderen Tag?
Herbert findet die falsche Abzweigung – und alle sind am Ende froh darüber. Gab es bei Ihnen auch mal so einen "glücklichen Zufall"?