Der Weihnachtsmann im Fahrstuhl [Vorlesegeschichte für Pflegekräfte]
VORLESEGESCHICHTEN FÜR PFLEGEKRÄFTE
12/3/20258 min read
Liebe Pflegekräfte,
diese humorvolle Weihnachtsgeschichte über eine steckengebliebene Fahrstuhlfahrt mit ungewöhnlichen Mitfahrern dauert etwa 10-12 Minuten im Vorlesen. Sie ist heiter, warmherzig und perfekt für die Adventszeit – besonders wenn der Weihnachtsstress auch im Pflegealltag spürbar wird!
Worum geht es? Erna will am 23. Dezember schnell noch Mandeln kaufen, steigt in den Fahrstuhl – und bleibt mit einem erschöpften Weihnachtsmann stecken. Was als Katastrophe beginnt, wird zu einem der schönsten Weihnachtsmomente: Aus Fremden werden Freunde, aus Stress wird Entschleunigung. Die Geschichte zeigt mit viel Humor: Manchmal schenkt uns das Leben genau die Pause, die wir brauchen.
Hinweise zum Vorlesen:
Die Geschichte beginnt hektisch und wird dann immer gemütlicher – lassen Sie diese Entwicklung hörbar werden
Die [Handlungsanweisungen] helfen beim Tempo und bei den verschiedenen Stimmungen
Der Humor darf ruhig betont werden – die Situation ist absurd und darf auch so klingen
Das Ende ist bedeutsam (ohne kitschig zu sein) – hier etwas langsamer und nachdenklicher
Warum diese Geschichte? Die Vorweihnachtszeit kann stressig sein – für alle! Diese Geschichte nimmt den Druck raus und zeigt: Perfektion ist nicht wichtig, Menschlichkeit schon. Viele Bewohner kennen den Weihnachtsstress aus eigener Erfahrung und können sich gut in Erna hineinversetzen. Die humorvolle Art macht es leicht, über eigene "Pannen" zu lachen.
Nach dem Vorlesen: Die Fragen laden zu heiteren Gesprächen über Weihnachtspannen, Last-Minute-Einkäufe und lustige Situationen ein. Oft kommen dabei wunderbare Anekdoten zutage! Die Geschichte kann aber auch tiefere Gespräche über Weihnachtsstress und das Wesentliche anstoßen – je nachdem, wie die Gruppe gestimmt ist.
Besonders geeignet für:
Die Zeit zwischen 2. und 4. Advent (wenn der Stress am größten ist)
Bewohner, die Humor schätzen
Gemischte Gruppen von 4-8 Personen
Tage, an denen alle eine Aufheiterung brauchen
Besonderer Hinweis: Diese Geschichte ist bewusst NICHT schwer oder besinnlich, sondern leicht und humorvoll. Sie eignet sich perfekt als Kontrastprogramm zu den oft ernsten Adventsgeschichten und kann helfen, gemeinsam zu lachen und den Weihnachtsstress zu relativieren.


[Fröhlich und mit leichter Hektik beginnen]
Es war der 23. Dezember, kurz vor Ladenschluss, und Erna hatte es eilig. Sehr eilig. Sie hatte das Wichtigste vergessen: die Mandeln für die Weihnachtsplätzchen! Ohne Mandeln gab es keine Vanillekipferl. Und ohne Vanillekipferl gab es bei den Enkelkindern einen Aufstand.
Also stand sie jetzt im Kaufhaus in der dritten Etage, eine Tüte Mandeln in der Hand, und drückte ungeduldig den Fahrstuhlknopf.
„Komm schon, komm schon", murmelte sie.
Der Fahrstuhl kam. Die Türen öffneten sich. Erna stieg ein – und erstarrte.
[Mit Überraschung und Humor]
Im Fahrstuhl stand ein Weihnachtsmann.
Ein echter Weihnachtsmann. Zumindest sah er so aus: roter Mantel, weißer Bart, rote Mütze mit Bommel, schwarze Stiefel. Er hielt einen großen Sack in der Hand und atmete schwer.
„Guten Tag", keuchte er. „Drittes Stockwerk?"
Erna nickte stumm und drückte auf „Erdgeschoss".
Die Türen schlossen sich. Der Fahrstuhl ruckelte los.
„Stress, was?", fragte der Weihnachtsmann und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Ich bin völlig fertig. Fünf Auftritte heute. Fünf! In verschiedenen Kaufhäusern. Die Leute denken immer, ich sei nur einer. Aber wir sind viele. Ein ganzes Weihnachtsmann-Netzwerk."
„Aha", sagte Erna.
„Hans-Peter", stellte der Weihnachtsmann sich vor und streckte seine Hand aus. „Gelernter Schlosser. Aber im Dezember bin ich Weihnachtsmann. Zahlt besser."
[Mit wachsender Situationskomik]
Plötzlich ruckelte der Fahrstuhl. Einmal. Zweimal. Dann blieb er stehen.
„Oh nein", stöhnte Erna.
„Oh nein", echote Hans-Peter der Weihnachtsmann.
Sie hingen zwischen dem zweiten und dritten Stock fest.
Erna drückte auf den Alarmknopf. Nichts. Sie drückte noch einmal. Immer noch nichts.
„Die haben alle Feierabend", sagte Hans-Peter resigniert. „Heiligabend morgen, wissen Sie. Alle wollen rechtzeitig nach Hause."
„Das kann doch nicht wahr sein!", rief Erna. „Ich muss nach Hause! Die Mandeln! Die Plätzchen! Die Enkelkinder!"
„Und ich muss zum sechsten Auftritt", sagte Hans-Peter. „Um sechs im Altersheim. Die alten Leute warten auf mich."
Sie schauten sich an. Dann begannen beide gleichzeitig zu lachen. Was sollten sie auch sonst tun?
[Mit zunehmender Geselligkeit]
„Na gut", sagte Erna und setzte sich auf den Boden. „Dann verbringen wir Weihnachten eben im Fahrstuhl."
Hans-Peter setzte sich neben sie. Der rote Mantel bauschte sich um ihn herum.
„Haben Sie Kekse?", fragte er hoffnungsvoll.
„Nein, genau deswegen bin ich ja hier!", sagte Erna und zeigte die Mandeln. „Aber die kann man schlecht essen."
„Warten Sie." Hans-Peter öffnete seinen Weihnachtsmann-Sack. „Ich habe..." Er kramte herum. „Bonbons! Lebkuchen! Und... oh, eine Mandarine!"
Er teilte großzügig aus. Sie saßen im steckengebliebenen Fahrstuhl und aßen Weihnachtssüßigkeiten.
„Wissen Sie was?", sagte Erna. „So habe ich mir Heiligabend nicht vorgestellt. Aber es ist irgendwie... gemütlich."
[Mit einem neuen Charakter, lebhaft erzählen]
Plötzlich klopfte es von oben an die Fahrstuhldecke.
„Hallo? Ist da jemand?"
Eine Stimme! Von außen!
„JA!", riefen beide gleichzeitig. „Wir stecken fest!"
„Ich weiß! Ich stecke auch fest! Im Fahrstuhl nebenan!"
Es gab zwei Fahrstühle im Kaufhaus. Und beide hingen fest.
„Wie heißen Sie?", rief Erna nach oben.
„Günther! Ich bin Hausmeister! Eigentlich hatte ich schon Feierabend, aber ich wollte noch schnell was überprüfen. Und jetzt sitze ich hier!"
„Können Sie uns rausholen?", rief Hans-Peter.
„Nein! Ich sitze ja selbst fest! Aber ich habe die Feuerwehr angerufen! Die kommen... irgendwann!"
„Irgendwann?", rief Erna. „Was heißt irgendwann?"
„Naja, es ist Heiligabend-Vortag. Die haben viel zu tun. Katzen auf Bäumen und so."
[Mit Humor und der Absurdität der Situation]
Erna und Hans-Peter schauten sich an.
„Wir stecken fest", sagte Erna.
„Am 23. Dezember", fügte Hans-Peter hinzu.
„Mit einem Hausmeister im Nachbar-Fahrstuhl", ergänzte Erna.
„Der auch nicht rauskommt", beendete Hans-Peter.
Dann lachten sie. Was sollten sie auch sonst tun?
„Günther!", rief Erna nach oben. „Haben Sie was zu essen?"
„Ein Wurstbrot!", kam die Antwort zurück. „Und eine Thermoskanne Kaffee!"
„Wir haben Lebkuchen und Bonbons!", rief Hans-Peter. „Wollen Sie tauschen?"
„Gerne!"
Was folgte, war die kreativste Essensübergabe, die das Kaufhaus je gesehen hatte. Durch das kleine Notloch in der Fahrstuhldecke reichten sie sich gegenseitig Lebensmittel zu. Das Wurstbrot kam herunter. Der Lebkuchen ging hoch.
„Das ist wie Weihnachten in den Schützengräben!", rief Günther von oben. „Haben Sie davon gehört? Im Ersten Weltkrieg haben die Soldaten Geschenke ausgetauscht!"
„Nur dass wir keine Soldaten sind", rief Erna. „Und hoffentlich kommt keine Schlacht!"
[Mit Wärme und Gemeinschaftsgefühl]
Sie saßen nun schon eine Stunde fest. Aber seltsamerweise war niemand mehr genervt.
„Wissen Sie was?", sagte Hans-Peter nachdenklich. „Ich bin jetzt seit drei Wochen jeden Tag Weihnachtsmann. Ich habe Hunderte von Kindern gesehen. Alle wollten etwas. Alle hatten lange Wunschlisten. Aber hier... hier sitzen wir einfach nur zusammen. Und es ist schön."
„Weil wir keine Wahl haben?", fragte Erna.
„Weil wir Zeit haben", korrigierte Hans-Peter. „Wissen Sie, wann ich das letzte Mal einfach nur gesessen und mit jemandem geredet habe? Ohne Handy, ohne Fernseher, ohne Ablenkung?"
Erna dachte nach. „Stimmt. Ich auch nicht."
Von oben rief Günther: „Ich auch nicht! Meine Frau sagt immer, ich höre ihr nicht richtig zu. Aber vielleicht hören wir alle nicht mehr richtig zu!"
[Mit Tiefgang, aber ohne Schwere]
„Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?", fragte Erna plötzlich.
Hans-Peter überlegte. „Ehrlich? Mehr Zeit mit meinen Kindern. Die sind schon groß, wissen Sie. Kommen nur noch selten vorbei. Zu beschäftigt."
„Ich wünsche mir, dass meine Enkelin endlich ihre Führerscheinprüfung besteht!", rief Günther von oben. „Beim vierten Versuch sollte es doch klappen!"
„Ich wünsche mir...", begann Erna, „dass wir als Familie nicht so gestresst sind. Jedes Jahr das Gleiche: Geschenke kaufen, Plätzchen backen, Gans vorbereiten. Und am Ende sind alle erschöpft. Ich wünsche mir einfach... Ruhe."
Es wurde still im Fahrstuhl.
„Komisch", sagte Hans-Peter. „Hier im Fahrstuhl haben Sie Ihre Ruhe."
„Und ich meine Zeit mit anderen", fügte Erna hinzu.
„Und ich kann mal in Ruhe über meine Enkelin nachdenken, statt ständig zu werkeln!", rief Günther.
Sie lachten. Die Situation war absurd. Aber irgendwie auch... perfekt.
[Mit der Rettung, aber nicht zu schnell]
Nach weiteren dreißig Minuten hörten sie Stimmen. Schritte. Werkzeuggeräusche.
„Die Feuerwehr!", rief jemand von außen.
„Endlich!", rief Günther von oben.
Aber Erna und Hans-Peter schauten sich an – und zögerten.
„Eigentlich ist es ganz nett hier", sagte Erna.
„Finde ich auch", stimmte Hans-Peter zu.
„Seid ihr verrückt?", rief Günther. „Ich will raus! Meine Beine schlafen ein!"
[Fröhlich zum Ende]
Zehn Minuten später standen sie alle drei vor dem Kaufhaus. Die Feuerwehrmänner packten ihre Ausrüstung zusammen. Der Kaufhausmanager entschuldigte sich tausendmal.
„Tut mir schrecklich leid! Wir werden das untersuchen! Sie bekommen alle einen Gutschein!"
Aber Erna, Hans-Peter und Günther hörten kaum zu. Sie standen zusammen und lachten über ihr Abenteuer.
„Also", sagte Hans-Peter und schaute auf seine Uhr. „Ich habe meinen sechsten Auftritt verpasst. Mein Chef wird nicht begeistert sein."
„Ich habe meine Vanillekipferl nicht gebacken", sagte Erna. „Meine Enkelkinder werden enttäuscht sein."
„Und ich komme zu spät zum Abendessen", sagte Günther. „Meine Frau wartet."
Sie schauten sich an.
„Aber es war die beste Fahrstuhlfahrt meines Lebens", sagte Hans-Peter.
„Definitiv", stimmten die anderen zu.
[Bedeutsam und warmherzig]
„Wissen Sie was?", sagte Erna. „Ich glaube, das war mein Weihnachtsgeschenk dieses Jahr. Eine Stunde Zeit. Mit netten Menschen. Ohne Stress. Ohne Hektik."
„Nur mit Lebkuchen und Wurstbrot", fügte Günther hinzu.
„Das sind die besten Geschenke", sagte Hans-Peter weise. Dann grinste er. „Das sage ich jetzt mal als offizieller Weihnachtsmann."
Sie tauschten Telefonnummern aus. Versprachen, sich nach Weihnachten zu melden. Vielleicht auf einen Kaffee. Einen normalen Kaffee. Nicht im Fahrstuhl.
[Mit einem Augenzwinkern zum Schluss]
Als Erna nach Hause kam, erzählte sie die ganze Geschichte ihrer Familie. Alle lachten. Die Enkelkinder fanden es großartig.
„Und die Vanillekipferl?", fragte die kleine Sophie.
„Die backen wir morgen zusammen", sagte Erna. „Ohne Stress. Mit Zeit. Genau wie im Fahrstuhl."
„Im Fahrstuhl backt man doch keine Plätzchen!", rief Sophie verwirrt.
„Nein", sagte Erna und lächelte. „Aber man lernt dort, was wirklich wichtig ist."
Am nächsten Tag, am Heiligen Abend, bekam Erna eine SMS. Von Hans-Peter: „Frohe Weihnachten! Bin heute in meinem eigenen Kostüm bei meinen Kindern. Bester Auftritt ever. Danke für gestern!"
Und eine von Günther: „Meine Enkelin hat bestanden! Beim fünften Versuch! Aber egal. Hauptsache geschafft! Schöne Weihnachten!"
Erna lächelte und schickte zurück: „Frohe Weihnachten euch beiden. Und danke für das beste Weihnachtsabenteuer meines Lebens. Auch wenn es im Fahrstuhl war."
[Ruhig ausklingen]
Manchmal, dachte Erna, während sie mit ihrer Familie zusammensaß, die selbstgebackenen Vanillekipferl aß und den Kindern beim Spielen zusah, manchmal schenkt uns das Leben genau das, was wir brauchen.
Nicht das, was auf der Wunschliste steht.
Sondern das, was unser Herz braucht.
Und manchmal braucht man dafür nur einen kaputten Fahrstuhl, einen Weihnachtsmann namens Hans-Peter und einen Hausmeister mit einem Wurstbrot.
Frohe Weihnachten.
Fragen zum Gespräch und zur Vertiefung
[Diese Fragen fröhlich und entspannt stellen – die Geschichte lädt zum Lachen und zu heiteren Gesprächen ein]
Über lustige Weihnachtspannen:
Haben Sie auch schon mal eine Weihnachtspanne erlebt?
Gab es ein Weihnachten, wo nicht alles nach Plan lief?
Was war die lustigste Weihnachtssituation, die Sie erlebt haben?
Über Weihnachtsstress:
Wie war das früher mit den Weihnachtsvorbereitungen – stressig oder gemütlich?
Was musste alles vorbereitet werden für Weihnachten?
Gab es auch bei Ihnen die "Last-Minute-Einkäufe"?
Über unerwartete Begegnungen:
Haben Sie zu Weihnachten schon mal unerwartet nette Menschen getroffen?
Gab es Situationen, wo aus einer Panne etwas Schönes wurde?
Wie wichtig waren Ihnen die Menschen um Sie herum an Weihnachten?
Über die Bedeutung von Weihnachten:
Erna sagt: "Ich wünsche mir einfach Ruhe." Können Sie das nachvollziehen?
Was ist wichtiger – perfekte Vorbereitungen oder die gemeinsame Zeit?
Hat sich Weihnachten im Laufe Ihres Lebens verändert?
Vertiefende Fragen:
Hans-Peter sagt: "Wir haben Zeit. Wir hören einander zu." Wann haben Sie das letzte Mal richtig Zeit mit jemandem verbracht?
Was macht für Sie ein gelungenes Weihnachten aus – die Geschenke oder die Atmosphäre?
Wenn Sie ein Weihnachtswunder erleben könnten – welches wäre es?
Was war Ihr schönstes Weihnachten – und warum?
[Tipp für den Vorleser: Diese Geschichte ist bewusst leicht und humorvoll – perfekt für die oft hektische Vorweihnachtszeit! Sie lädt zum Lachen ein und nimmt gleichzeitig den Druck raus: Weihnachten muss nicht perfekt sein. Die Fragen können zu sehr fröhlichen, aber auch zu nachdenklichen Gesprächen führen. Lassen Sie die Gruppe entscheiden, in welche Richtung das Gespräch geht. Manchmal braucht man im Advent einfach eine Geschichte, die einen zum Lächeln bringt!]