Das Huhn, dass keine Eier legen wollte

VORLESEGESCHICHTEN FÜR PFLEGEKRÄFTE

11/24/20257 min read

Liebe Pflegekräfte,

diese charmante Geschichte über ein eigensinniges Huhn und einen geduldigen Bauern dauert etwa 10-12 Minuten im Vorlesen. Sie ist humorvoll, warmherzig und perfekt für Bewohner, die das Landleben kennen oder sich gerne an Bauernhöfe und Tiere erinnern.

Worum geht es? Bauer Schuhmacher ärgert sich über sein Huhn Gertrud – als einziges auf dem ganzen Hof legt sie keine Eier! Doch Gertrud hat ihren eigenen Plan: Sie wartet auf den richtigen Moment, um Mutter zu werden. Die Geschichte zeigt mit viel Humor: Manchmal ist der eigene Weg der bessere Weg.

Hinweise zum Vorlesen:

  • Die Geschichte hat einen sanften Humor – lesen Sie die Szenen mit Gertruds "Sturheit" gerne mit einem Augenzwinkern

  • Die [Handlungsanweisungen] helfen Ihnen, zwischen lustig, beschreibend und bedeutsam zu wechseln

  • Gegen Ende wird die Geschichte rührend (die Küken schlüpfen) – hier dürfen Sie ruhig etwas langsamer und emotionaler werden

  • Geben Sie Raum für Schmunzeln – viele Bewohner werden sich an ähnlich eigenwillige Tiere erinnern!

Das Hund, dass keine Eier legen wollte

[Warmherzig und beschreibend beginnen]

Auf dem kleinen Bauernhof der Familie Schuhmacher war es eigentlich immer friedlich. Die Kühe gaben brav ihre Milch, die Schweine grunzten zufrieden im Stall, und der alte Hofhund Hansi lag in der Sonne und träumte von seinen jüngeren Jahren.

Nur mit den Hühnern gab es ein Problem. Genauer gesagt: mit EINEM Huhn.

Gertrud.

[Mit leichtem Augenzwinkern]

Gertrud war ein prächtiges Huhn mit rotbraunen Federn und einem besonders stolzen Gang. Sie stakste über den Hof, als gehörte ihr der ganze Laden. Die anderen Hühner – Emma, Frieda, Liesel und die kleine Paula – legten jeden Morgen brav ihre Eier ins Nest.

Gertrud nicht.

„Das Huhn legt einfach nicht!", beschwerte sich Bauer Schuhmacher beim Frühstück. „Alle anderen Hühner legen. Nur Gertrud nicht!"

„Vielleicht ist sie krank?", fragte seine Frau Martha besorgt.

„Krank? Die frisst wie ein Scheunendrescher und stolziert herum wie eine Königin! Die ist kerngesund. Die will einfach nicht!"

[Mit Humor]

Bauer Schuhmacher versuchte alles. Er gab Gertrud das beste Futter. Er redete ihr gut zu. Er zeigte ihr die anderen Hühner als Vorbild.

„Schau, Gertrud!", sagte er und deutete auf Emma, die gerade ein Ei legte. „So macht man das! Ganz einfach!"

Gertrud schaute ihn an, als hätte er den Verstand verloren. Dann drehte sie sich um und ging davon. Stolz, majestätisch und ohne die geringste Absicht, ein Ei zu legen.

„Das ist doch unglaublich!", rief Bauer Schuhmacher. „Ein Huhn, das nicht legt! Was soll das denn?"

[Lebendig erzählen]

Seine Enkelkinder fanden die Sache allerdings großartig. Die kleine Lisa und ihr Bruder Max besuchten den Hof jeden Samstag.

„Opa, können wir Gertrud sehen?", fragten sie jedes Mal als Erstes.

„Das rebellische Huhn?", brummte Opa Schuhmacher. „Klar. Die sitzt wahrscheinlich wieder auf dem besten Platz im Hof und tut, als wäre sie was Besseres."

Und tatsächlich: Gertrud hatte ihren Lieblingsplatz auf einem alten Baumstumpf gleich neben dem Hofeingang. Von dort konnte sie alles überblicken. Wie eine Königin auf dem Thron.

„Guten Morgen, Gertrud!", rief Lisa fröhlich.

Gertrud gackerte würdevoll. Nicht wie die anderen Hühner, die aufgeregt herumflatterten. Nein, Gertrud gackerte mit Stil.

„Ich mag sie", sagte Lisa zu ihrem Opa. „Sie ist besonders."

„Besonders faul ist sie", murrte Opa Schuhmacher. Aber er lächelte dabei.

[Mit zunehmendem Respekt für Gertrud]

Die Nachbarn bekamen Wind von der Sache. Bauer Müller vom Nachbarhof kam vorbei.

„Ich habe gehört, du hast ein Huhn, das nicht legt?", fragte er belustigt.

„Hab ich", seufzte Schuhmacher.

„Und? Warum behältst du es dann?"

Schuhmacher kratzte sich am Kopf. Gute Frage. Warum eigentlich? Ein Huhn, das keine Eier legte, war eigentlich nutzlos auf einem Bauernhof.

„Weiß auch nicht", gab er zu. „Irgendwie... gehört sie dazu."

Die Wahrheit war: Gertrud war zur Attraktion geworden. Die Enkel liebten sie. Die anderen Hühner schienen sie zu respektieren. Und selbst Hansi, der alte Hofhund, hatte eine merkwürdige Freundschaft mit ihr entwickelt. Oft lagen die beiden zusammen in der Sonne – der Hund und das Huhn, Seite an Seite.

[Beschreibend und mit Wärme]

Eines Morgens im Frühjahr passierte etwas Seltsames. Gertrud war verschwunden.

„Wo ist Gertrud?", fragte Martha beim Frühstück.

„Keine Ahnung. Wahrscheinlich macht sie irgendwo Urlaub", brummte Schuhmacher.

Aber als Gertrud auch mittags nicht auftauchte, wurde er unruhig. Das war nicht ihre Art. Gertrud liebte ihren Thron, ihren Platz in der Sonne, ihre tägliche Runde über den Hof.

„Gertrud?", rief er über den Hof. „Gertrud, wo bist du?"

Die anderen Hühner gackerten durcheinander, aber keine Gertrud.

[Mit wachsender Sorge, aber nicht zu dramatisch]

Schuhmacher suchte überall. Im Stall, in der Scheune, hinter dem Schuppen. Nichts.

„Vielleicht ist sie abgehauen", murmelte er. „Vielleicht hatte sie genug von uns."

Dann hörte er ein leises Gackern. Es kam aus dem alten Holzschuppen, den sie kaum noch benutzten.

Er öffnete vorsichtig die Tür. Da saß Gertrud auf einem Haufen alten Heus. Und unter ihr...

„Ich glaub es nicht", flüsterte Schuhmacher.

[Mit Staunen und Freude]

Unter Gertrud lagen Eier. Nicht eins. Nicht zwei. Sondern mindestens zehn!

„Martha!", rief er aufgeregt. „Martha, komm schnell!"

Seine Frau kam angerannt. „Was ist denn los?"

„Gertrud! Sie hat ein Nest gebaut! Sie brütet!"

Martha schaute in den Schuppen. Tatsächlich. Gertrud saß auf ihrem Nest und sah sie an, als wollte sie sagen: „Na, habt ihr wirklich gedacht, ich wäre nutzlos?"

„Sie hat nicht nicht gelegt", sagte Martha leise. „Sie hat gewartet. Sie wollte Mutter werden."

[Mit Rührung]

Die nächsten Wochen waren spannend. Gertrud verließ ihr Nest nur kurz zum Fressen und Trinken. Den Rest der Zeit brütete sie. Geduldig, hingebungsvoll, ohne sich ablenken zu lassen.

Die Enkel kamen jeden Tag. „Sind die Küken schon da?", fragten sie aufgeregt.

„Noch nicht", sagte Opa Schuhmacher. „Aber bald."

Und dann, eines sonnigen Maimorgens, war es soweit. Schuhmacher hörte ein Piepen aus dem Schuppen. Ein zartes, hohes Piepen.

Er öffnete die Tür – ganz vorsichtig. Und da waren sie: kleine, flauschige gelbe Küken, die unter Gertruds Flügeln hervorlugten.

„Willkommen auf der Welt", flüsterte er.

Gertrud gackerte stolz. Und diesmal klang es wie: „Ich hab's euch ja gesagt!"

[Mit Wärme und Humor]

In den folgenden Wochen entwickelte sich Gertrud zur strengsten, aber liebevollsten Hühnermutter des ganzen Landkreises. Sie führte ihre acht Küken über den Hof wie eine Generalin ihre Truppen. Alle mussten in einer Reihe laufen. Keiner durfte sich zu weit entfernen. Und wehe, jemand wagte es, ihren Küken zu nahe zu kommen!

Selbst der Hofkater bekam einen Rüffel, als er den Kleinen zu neugierig nachschaute. Gertrud stellte sich vor ihre Küken, plusterte sich auf und gackerte so laut und bedrohlich, dass der Kater das Weite suchte.

„Die ist wie eine Löwin", sagte Martha bewundernd.

„Die ist wie eine Kommandantin", meinte Schuhmacher. Aber er sagte es mit Respekt.

[Mit Beobachtung und Lebensweisheit]

Die kleine Lisa verbrachte Stunden damit, Gertrud und ihre Küken zu beobachten.

„Opa", sagte sie eines Tages, „Gertrud war gar nicht faul, oder?"

„Nein", gab Opa Schuhmacher zu. „Sie hatte einfach... einen anderen Plan."

„Einen besseren Plan", sagte Lisa überzeugt.

Schuhmacher schaute zu Gertrud, die gerade ihren Küken zeigte, wo die besten Körner zu finden waren. Sie war immer noch stolz und majestätisch. Aber jetzt verstand er es.

Sie hatte nie Eier gelegt, um sie den Menschen zu geben. Sie hatte gewartet, bis sie Mutter werden konnte. Sie hatte ihren eigenen Weg gewählt.

[Nachdenklich und bedeutsam]

„Weißt du, Lisa", sagte er, „manchmal denken wir, wir wissen, was das Beste ist. Wir haben Pläne und Erwartungen. Aber manchmal haben die anderen – oder die Hühner – ihre eigenen Pläne. Und manchmal sind die besser als unsere."

„Und was machst du jetzt mit Gertrud?", fragte Lisa.

Schuhmacher lachte. „Was soll ich schon machen? Sie ist jetzt die Chefin. Sie und ihre Küken haben hier einen Ehrenplatz."

[Warmherzig zum Abschluss]

Bauer Müller kam ein paar Wochen später wieder vorbei. „Na? Was ist mit deinem faulen Huhn?"

„Faul?", fragte Schuhmacher empört. „Schau sie dir an!"

Gertrud spazierte über den Hof, gefolgt von acht kleinen Küken, die ihr auf Schritt und Tritt folgten.

„Das ist nicht faul", sagte Schuhmacher stolz. „Das ist... strategisch. Sie wusste genau, was sie wollte. Und sie hat es bekommen."

Müller lachte. „Du hast dich von einem Huhn überzeugen lassen?"

„Nicht überzeugen", korrigierte Schuhmacher. „Belehren. Gertrud hat mir gezeigt, dass nicht jeder den gleichen Weg gehen muss. Und dass manchmal Geduld die beste Strategie ist."

[Ruhig und mit einem Lächeln ausklingen]

An diesem Abend saß die Familie Schuhmacher auf der Bank vor dem Haus. Die Sonne ging unter und tauchte den Hof in goldenes Licht.

Gertrud saß auf ihrem Thron – dem alten Baumstumpf – und überblickte ihr Reich. Ihre Küken schliefen unter ihren Flügeln.

„Sie war nie das Problem", sagte Martha leise.

„Nein", stimmte ihr Mann zu. „Wir waren das Problem. Wir hatten nur eine Vorstellung davon, wie ein Huhn zu sein hat."

„Und was ist die Moral der Geschichte?", fragte Lisa.

Opa Schuhmacher dachte nach. „Manchmal ist es gut, wenn jemand nicht das tut, was alle von ihm erwarten. Manchmal führt der eigene Weg zum besseren Ziel."

Lisa kuschelte sich an ihren Opa. „Gertrud ist das klügste Huhn der Welt."

„Das", sagte Opa Schuhmacher und lächelte, „kann ich nicht bestreiten."

Fragen zum Gespräch und zur Vertiefung

[Diese Fragen ruhig und interessiert stellen, Zeit für Antworten lassen]

Über eigene Bauernhof-Erfahrungen:

  • Sind Sie auf einem Bauernhof aufgewachsen oder haben einen gekannt?

  • Hatten Sie selbst Hühner? Wie viele waren es?

  • Gab es bei Ihren Hühnern auch so eigene "Charaktere"?

Über Tiere auf dem Hof:

  • Welche Tiere gab es auf Ihrem Hof oder in Ihrer Nähe?

  • Hatten Sie ein Lieblingstier? Warum gerade dieses?

  • Erinnern Sie sich an lustige oder besondere Momente mit den Hoftieren?

Über Eier und Hühner:

  • Haben Sie früher selbst Eier eingesammelt?

  • Wie war das damals mit dem Eierverkauf?

  • Gab es auch bei Ihnen ein Huhn, das besonders war?

Über das Landleben:

  • Was war das Schönste am Leben auf dem Land oder am Bauernhof?

  • Wie war es, wenn im Frühling die Küken oder anderen Jungtiere kamen?

  • Was vermissen Sie am meisten vom Landleben?

Vertiefende Fragen:

  • Opa Schuhmacher lernt, dass Gertrud ihren eigenen Weg geht. Gab es in Ihrem Leben auch solche Momente, wo jemand anders dachte als erwartet?

  • Was können wir von Tieren lernen?

  • Gertrud wartet geduldig auf den richtigen Moment. Wie wichtig war Geduld in Ihrem Leben?

  • Hatten Sie auch mal einen Plan, der anders war als das, was andere erwartet haben?

[Tipp für den Vorleser: Bauernhof-Geschichten wecken oft sehr konkrete und lebendige Erinnerungen! Viele Bewohner können sich genau erinnern an die Tiere, die Arbeit, die Gerüche und Geräusche. Diese Geschichte gibt Anlass, sowohl über die lustigen Eigenheiten von Tieren zu lachen als auch über die Weisheit zu sprechen, die im Umgang mit ihnen liegt. Lassen Sie viel Raum für Erzählungen – oft kommen die schönsten Geschichten über eigenwillige Kühe, freche Ziegen oder kluge Hunde!]